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Die Zeit: Reisebeilage : Auf seidenen Pfaden


 
 
 
 
 
 
 

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Vielleicht verhält es sich aber auch ganz anders.

Ich checke ein ins älteste der drei privat geführten Hotels der Stadt, lasse mich für ein paar Sum in eine lichtlose Gasse zu einem Restaurant fahren und zu drei dunklen Gestalten in einen Nebenraum setzen. Einen Höllenlärm machen Musikanten mit Islamo−Pop aus fast zerplatzenden Boxen, eine Hochzeit oder Ähnliches, jedenfalls ist da ein Mädchen in traditionellem Kostüm, und es kriegt kaum Luft vor Aufregung. Seine Tanten lachen besoffen und kippen sich einen Wodka nach dem anderen runter und laden mich auf eingelegten Rettich ein. Das Mädchen zittert vor der Zukunft; glückliche Frauen sehen anders aus. Ich schau mir die Alten an: nichts von der Eleganz seidenverhüllter Grazien, eine ganze Menge mehr vom Charme robuster Mamuschkas.

»Kennt ihr den Seidenteppichkönig von Samarkand?«

Die Weiber lachen sich schief und füllen mich ab mit Wodka. Der Abend endet in puncto Seide desaströs.

Am nächsten Morgen spült mich mein forciertes Flanieren auf den Basar. Der Himmel ist hellblau, und am Eingangstor sitzt ein Schuhmacher ohne erkennbare Zähne. Er löst alte Sohlen und nagelt neue. In seinem verdellten Eisentopf köcheln Lamm und Innereien. Kein Zweifel möglich, auf einem Schwarzweißfoto hätte dieses Motiv magische Macht, man wäre hingerissen vom Zauber des Prämodernen, angefixt von den Verlockungen morgenländischer Exotik.

Auf dem Gewürzbasar lassen die Händler die Sesamsamen durch die Finger rieseln, preisen iranischen Kümmel, usbekischen Safran, Zimt und Muskatpuder an, und mindestens sieben wohlgenährte Frauen begutachten hinter improvisierten Theken mit Rote−Bete−Pyramiden herrlich gelangweilt ihre Fingernägel oder stieren ins Ungefähre oder heben einladend die Braue. Sie tragen Strumpfhosen und Röcke und dicke Socken und Stofflatschen. Die Hosen, Jacken und Pullover, die sie hier verkaufen, sind grau und schwarz.

In der Toshkent ko chasi verkauft ein müder Greis Kaugummis

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